Nanopartikel

Gold-Nanopartikel: Eigenschaften und Anwendungen in der Diagnostik

Warum kolloidales Gold rot leuchtet, wie Größe und Form die Farbe bestimmen und weshalb Goldpartikel der Standard-Signalgeber in Schnelltests sind.

Gold-Nanopartikel sind winzige Goldteilchen, die meist in Wasser verteilt als kolloidales Gold vorliegen. Ihre auffälligste Eigenschaft ist die Farbe: Kugelförmige Partikel um 20 bis 40 Nanometer färben eine Lösung kräftig rot, und genau dieses Rot ist die Linie, die Sie auf einem Schnelltest sehen. Dahinter steckt ein physikalischer Effekt namens Oberflächenplasmonresonanz, der Gold zusammen mit seiner chemischen Stabilität zu einem der vielseitigsten Materialien der Nanodiagnostik macht.

Was Gold-Nanopartikel sind

Als Gold-Nanopartikel bezeichnet man Goldteilchen mit einem Durchmesser von etwa 1 bis 100 Nanometern. Zum Vergleich: Ein typischer Antikörper ist rund 10 bis 15 Nanometer groß, ein Partikel aus einem Schnelltest also nur wenige Antikörperlängen breit. Die Partikel bestehen aus einem kristallinen Goldkern und einer Hülle aus Stabilisatoren, zum Beispiel Citrat, Polymeren oder Proteinen. Ohne diese Hülle würden sich die Partikel zusammenlagern und als Bodensatz ausfallen.

Kolloidales Gold ist kein neues Material. Rot gefärbte Gläser mit fein verteiltem Gold sind seit der Antike bekannt, und Michael Faraday beschrieb 1857 in einer Arbeit, dass die Farbe solcher Lösungen von fein zerteiltem metallischem Gold herrührt. Was sich seitdem geändert hat, ist die Kontrolle: Heute lassen sich Größe, Form und Oberfläche gezielt einstellen und messen.

Warum Gold-Nanopartikel rot sind: die Plasmonresonanz

Metalle enthalten frei bewegliche Leitungselektronen. Trifft Licht auf ein Partikel, das deutlich kleiner ist als die Wellenlänge des Lichts, schiebt das elektrische Feld die Elektronenwolke als Ganzes hin und her. Bei einer bestimmten Frequenz schwingen die Elektronen in Resonanz, und das Partikel absorbiert und streut Licht dieser Wellenlänge besonders stark. Diese kollektive Schwingung heißt lokalisierte Oberflächenplasmonresonanz.

Für kugelförmige Goldpartikel von etwa 10 bis 50 Nanometern liegt das Absorptionsmaximum um 520 Nanometer, also im grünen Bereich. Das Auge sieht die Komplementärfarbe, ein kräftiges Weinrot. Weil die Resonanz so ausgeprägt ist, reichen schon sehr geringe Partikelmengen für eine sichtbare Färbung.

Was die Farbe verschiebt

Die Lage des Plasmonmaximums reagiert empfindlich auf mehrere Faktoren. Genau das macht Goldpartikel als Sensor interessant:

Veränderung Wirkung auf das Spektrum Sichtbarer Effekt
Größere Kugeln Maximum wandert zu längeren Wellenlängen, Bande wird breiter Rot geht in Violett über
Zusammenlagerung (Aggregation) Kopplung benachbarter Partikel, zusätzliche Bande im roten Bereich Farbumschlag nach Violett oder Blau
Stäbchenform zweite, längere Bande, je nach Seitenverhältnis bis ins nahe Infrarot Farben von Blau bis Braun
Hohlschalen und Nanokäfige Resonanz über die Wandstärke einstellbar Absorption im nahen Infrarot möglich
Anlagerung von Molekülen an die Oberfläche kleine Verschiebung durch veränderten Brechungsindex mit Auge kaum sichtbar, im Spektrometer messbar

Die Aggregation ist der Effekt, den Sie im Labor am häufigsten bemerken: Gibt man Kochsalz zu ungeschützten Citrat-Goldpartikeln, schlägt die Farbe innerhalb von Sekunden nach Blau um. Labore nutzen diesen Salztest, um zu prüfen, ob eine Beschichtung die Partikel ausreichend stabilisiert.

Wie Gold-Nanopartikel hergestellt werden

Die bekannteste Methode ist die Citratreduktion nach Turkevich aus dem Jahr 1951. Eine kochende Lösung von Tetrachlorogoldsäure wird mit Natriumcitrat versetzt. Citrat reduziert die Goldionen zu metallischem Gold und lagert sich zugleich als negativ geladene Schutzschicht an. Über das Verhältnis von Citrat zu Gold lässt sich die Partikelgröße einstellen: Mehr Citrat ergibt in der Regel kleinere Partikel. Größere, einheitliche Kugeln entstehen häufig über ein Keimwachstum, bei dem kleine Partikel als Keime vorgelegt und schrittweise vergrößert werden.

Sehr kleine Partikel mit einer festen Thiolhülle liefert die Zweiphasenmethode nach Brust. Goldnanostäbchen werden meist über ein keimvermitteltes Wachstum mit Tensiden hergestellt, die bestimmte Kristallflächen blockieren. Welche Methode gewählt wird, hängt von der gewünschten Größe, Form und späteren Oberflächenchemie ab. Einen Überblick über weitere Partikelklassen und Verfahren gibt die Seite Nanopartikel.

Die Oberfläche: Andockstelle für Biomoleküle

Für die Diagnostik ist der Goldkern nur der Farbträger. Die eigentliche Arbeit leistet die Oberfläche, an die Antikörper, Antigene, Nukleinsäuren oder Peptide gekoppelt werden. Gold hat dabei zwei Vorteile: Es bindet Proteine bereitwillig über Adsorption, und es bildet mit Schwefelverbindungen eine sehr stabile Bindung, die für kovalente Kopplungen über Thiole genutzt wird.

In der Praxis gibt es zwei Wege:

  1. Passive Adsorption: Antikörper werden bei einem pH-Wert nahe ihrem isoelektrischen Punkt zugegeben und lagern sich an. Das Verfahren ist schnell und günstig, die Orientierung der Antikörper aber zufällig. Ein Teil der Bindestellen zeigt deshalb zur Goldoberfläche statt in die Probe.
  2. Kovalente Kopplung: Die Partikel erhalten zuerst eine Zwischenschicht, etwa Polyethylenglykol mit Thiol am einen und Carboxylgruppe am anderen Ende. Daran wird der Antikörper chemisch gebunden, zum Beispiel über die EDC/NHS-Chemie. Das ist aufwendiger, liefert aber stabilere und besser reproduzierbare Konjugate.

Nach der Kopplung werden freie Oberflächenbereiche mit Proteinen wie Rinderserumalbumin oder mit Polymeren blockiert, damit sich keine Probenbestandteile unspezifisch anlagern. Die Chemie dahinter erklärt die Seite Biokonjugation ausführlicher.

Gold-Nanopartikel in der Diagnostik

Lateral-Flow-Schnelltests

Das mit Abstand größte Einsatzfeld sind Schnelltests auf Teststreifen. Im Konjugatpad des Streifens liegen getrocknete Goldpartikel, die mit Antikörpern beladen sind. Die Probe löst sie, nimmt sie mit und trägt sie zur Testlinie, wo sie bei vorhandenem Zielmolekül festgehalten werden. Viele Partikel auf engem Raum ergeben die sichtbare rote Linie. Wie dieser Ablauf im Einzelnen funktioniert, beschreibt der Artikel Lateral-Flow-Schnelltest: So funktioniert das Prinzip.

Gold hat sich hier gegen andere Markierungen wie gefärbte Latexpartikel weitgehend durchgesetzt, weil es ohne Entwicklungsschritt ein stabiles, gut sichtbares Signal liefert, sich lange trocken lagern lässt und in großen Mengen reproduzierbar herstellbar ist.

Farbumschlag-Tests in Lösung

Ein zweites Prinzip nutzt die Aggregation direkt. Werden Goldpartikel mit kurzen DNA-Stücken beschichtet, die zu einer gesuchten Sequenz passen, verbindet die Ziel-DNA mehrere Partikel miteinander. Die Lösung schlägt von Rot nach Blau um. Solche Farbumschlag-Assays wurden in den 1990er-Jahren für Nukleinsäuren beschrieben und auf Proteine, Ionen und kleine Moleküle übertragen. Im Routinelabor sind sie seltener als Teststreifen, in der Forschung aber ein beliebtes Modell.

Weitere Einsatzfelder

  • Elektronenmikroskopie: Wegen der hohen Elektronendichte sind Goldpartikel im Elektronenmikroskop als dunkle Punkte gut zu erkennen. Mit Antikörpern gekoppelt markieren sie bestimmte Proteine in Zellschnitten (Immunogold-Markierung).
  • Oberflächenverstärkte Raman-Spektroskopie (SERS): An Goldoberflächen werden Raman-Signale von Molekülen stark verstärkt, was sehr empfindliche Nachweise erlaubt.
  • Elektrochemische Sensoren: Goldpartikel vergrößern die aktive Elektrodenfläche und verbessern die Signalübertragung in Biosensoren.
  • Signalverstärkung: Durch Abscheidung von zusätzlichem Silber oder Gold auf den Partikeln lässt sich die Färbung nachträglich verstärken, um schwache Linien sichtbar zu machen.

Grenzen und typische Probleme

Gold-Nanopartikel sind robust, aber nicht problemlos. Die häufigsten Schwierigkeiten in der Entwicklung sind:

  • Aggregation in der Probe: Salz, extreme pH-Werte oder bestimmte Probenbestandteile können Partikel verklumpen lassen. Eine gute Hülle und passende Puffer sind entscheidend.
  • Unspezifische Bindung: Partikel lagern sich an Stellen an, an denen sie nichts zu suchen haben, und erzeugen Hintergrund oder falsche Linien.
  • Begrenzte Empfindlichkeit: Das Auge erkennt eine Linie erst ab einer gewissen Partikeldichte. Für sehr niedrige Konzentrationen weichen Hersteller auf Fluoreszenzmarker und Lesegeräte aus.
  • Chargenschwankungen: Kleine Unterschiede in Größe und Beladung verändern das Testverhalten. Deshalb werden Partikel vor der Verwendung charakterisiert, etwa per UV/Vis-Spektroskopie, dynamischer Lichtstreuung und Elektronenmikroskopie (siehe Charakterisierung von Nanomaterialien).
Praxistipp für das Labor

Ein UV/Vis-Spektrum ist die schnellste Qualitätskontrolle für Goldkolloide. Eine schmale, symmetrische Bande um 520 Nanometer spricht für einheitliche, vereinzelte Partikel. Eine Schulter oder ein Ausläufer im roten Bereich deutet auf beginnende Aggregation hin.

Gold-Nanopartikel in der medizinischen Forschung

Über die Diagnostik außerhalb des Körpers hinaus werden Goldpartikel in der Nanomedizin untersucht, zum Beispiel als Träger für Wirkstoffe, als Kontrastmittel oder für die photothermische Therapie, bei der Partikel mit Absorption im nahen Infrarot Licht in Wärme umwandeln. Diese Ansätze befinden sich überwiegend in der Forschung oder in klinischen Studien. Für jede Anwendung im Körper muss die Verträglichkeit der konkreten Partikel einzeln belegt werden, denn Verteilung, Ausscheidung und Wirkung hängen stark von Größe und Beschichtung ab.

Zusammenfassung

Gold-Nanopartikel verbinden drei Eigenschaften, die sie für die Diagnostik ideal machen: eine intensive, über Größe und Form steuerbare Farbe, eine chemisch stabile Oberfläche und eine einfache Kopplung an Biomoleküle. Deshalb stecken sie in den meisten Teststreifen, dienen als Marker in der Mikroskopie und als Baustein für neue Sensoren. Ihre Grenzen liegen bei der Empfindlichkeit und der Stabilität in komplexen Proben, an denen Forschung und Entwicklung weiter arbeiten.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Warum ist eine Lösung mit Gold-Nanopartikeln rot und nicht golden?
Die goldene Farbe eines Barrens entsteht durch Reflexion an einer großen Metalloberfläche. In Partikeln von wenigen Dutzend Nanometern schwingen die Leitungselektronen dagegen gemeinsam mit dem Lichtfeld und absorbieren vor allem grünes Licht um 520 Nanometer. Übrig bleibt der rote Anteil, den wir sehen. Werden die Partikel größer oder lagern sie sich zusammen, verschiebt sich die Absorption, die Lösung wird violett bis blau.
Sind Gold-Nanopartikel giftig?
Massives Gold gilt als chemisch sehr reaktionsträge. Für Nanopartikel lässt sich das nicht pauschal übertragen, weil Größe, Form und vor allem die Hülle bestimmen, wie Zellen reagieren. In Schnelltests bleiben die Partikel auf dem Teststreifen, eine Aufnahme in den Körper findet dabei nicht statt. Für medizinische Anwendungen im Körper werden Goldpartikel einzeln auf ihre Verträglichkeit geprüft.
Wie werden Antikörper an Gold-Nanopartikel gebunden?
Der einfachste Weg ist die passive Adsorption: Antikörper lagern sich bei passendem pH-Wert über elektrostatische und hydrophobe Wechselwirkungen an die Goldoberfläche an. Gerichteter und stabiler ist die kovalente Kopplung über eine Zwischenschicht, etwa Thiol-Polyethylenglykol mit Carboxylgruppen, an die der Antikörper chemisch angehängt wird. Freie Stellen werden anschließend mit Proteinen wie Albumin blockiert.
Welche Größe haben Gold-Nanopartikel in Schnelltests?
Für Lateral-Flow-Tests werden meist kugelförmige Partikel im Bereich von etwa 20 bis 40 Nanometern verwendet. Sie sind groß genug für ein gut sichtbares Signal und klein genug, um gleichmäßig durch die Nitrocellulosemembran zu wandern. Die genaue Größe legt der Hersteller eines Tests fest.

Quellen und weiterführende Stellen

  1. Michael Faraday: Experimental relations of gold (and other metals) to light. Philosophical Transactions of the Royal Society of London, 1857.
  2. John Turkevich, Peter C. Stevenson, James Hillier: A study of the nucleation and growth processes in the synthesis of colloidal gold. Discussions of the Faraday Society, 1951.
  3. Marie-Christine Daniel, Didier Astruc: Gold nanoparticles: assembly, supramolecular chemistry, quantum-size-related properties, and applications toward biology, catalysis, and nanotechnology. Chemical Reviews, 2004.
  4. Robert Elghanian und Kollegen: Selective colorimetric detection of polynucleotides based on the distance-dependent optical properties of gold nanoparticles. Science, 1997.

Zuletzt überarbeitet am 26. Oktober 2026 von der Redaktion NanoImmunoTech.